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Freitag 13. Juni 2003
Zu Besuch bei Neonazis aus der Aachener Region
Zum Demonstrieren gefahren werden
Am 17. Mai erhielten einige Neonazis aus der Aachener Region Besuch von einer »antifaschistischen Kaffeefahrt«, einer Busladung voll AntifaschistInnen aus verschiedenen Zusammenhängen und Hintergründen. Die Antifas stoppten direkt vor den Wohnungen bekannter Neonazis, hielten eine kurze Demo, informierten AnwohnerInnen durch Flugblätter und Redebeiträge über Gesinnung und Gefährlichkeit der rechten Nachbarn und machten sich dann wieder auf den Weg zum nächsten Nazi.
Besonders gute Resonanz gab es in Düren, die Wohnungen der dort besuchten Neonazis waren eher dem unteren Preissegment zuzuordnen - entsprechend müssen die Herrenmenschen sich dort mit einem unangenehm hohen AusländerInnenanteil arrangieren. Das war wohl die Hauptursache dafür, dass die Aktion der Antifas auf erfreulich viel und positive Resonanz unter den AnwohnerInnen stieß. Etwas weniger erfreulich war natürlich die Reaktion der Neofaschisten, die leere Bierflaschen aus dem Fenster schmissen, sonst aber Ruhe bewahrten und das Spektakel aus der Sicherheit ihrer Wohnungen heraus beobachteten.
Nächste Station war die als regionale Nazi-Hochburg bekannte Stadt Stolberg, wo Herr Kunkel beheimatet ist. Als Fraktionschef der örtlichen NPD wohnt er inmitten ordentlicher Deutscher, die von den bösen Antifas nichts wissen wollten. Auch Kunkel selber gab sich deutlich extrovertierter als seine mit-Nazis. Als einziger traute er sich vor die Tür und suchte - bekleidet mit Trainingsanzug und Goldkettchen - auch das Gespräch mit den politischen GegnerInnen: »Arschlöcher«, »geht doch arbeiten!«.
An den anderen Haltepunkten kam es zu keiner Konfrontation mit den Nazis, was die Aktion zwar wesentlich unspektakulärer machte, dem eigentlichen Ziel aber keinen Abbruch tat.
Entgegen Vermutungen aus Burschenschafterkreisen ging es bei dieser Aktion keineswegs um eine »neue Art eines gelben Sternes an der Brust« oder um sonstige bloße Diffamierung, sondern darum, Neonazis die Maske des »anständigen Nachbarn« vom Gesicht zu reißen. Menschenverachtende Hetze, Diffamierungen, Belästigung und Bedrohung oder gleich das Bestreiten des Existenzrechts dürfen nicht einfach so hingenommen werden. Ich jedenfalls würde mir wünschen, dass jede und jeder faschistisches und rechtsextremes Gedankengut nicht nur in einer abstrakten Weise ablehnt, sondern auch den FaschistInnen und RechtsextremistInnen selbst klar und deutlich signalisiert, dass angesichts ihrer politischen Einstellung keine Basis für gutnachbarliche Beziehungen gegeben ist. Wer andere Menschen auf Grund ihrer Herkunft angreift und bekämpft, sollte nicht auf freundliche Aufnahme in den Kreis seiner NachbarInnen hoffen dürfen.
Und aus diesem Grund ist es durchaus legitim, ja sogar notwendig, den NachbarInnen mitzuteilen, wer da in der Verkleidung des harmlosen Spießers neben ihnen wohnt. Anders als der Zeitgeist suggeriert, ist nämlich keineswegs alles egal. Im Allgemeinen gab die Reaktion unter den AnwohnerInnen Anlass zur Hoffnung, dass der eine oder die andere ihr Verhältnis zu Nachbar Nazi vielleicht noch mal überdenken wird. Einzige Ausnahme war Stolberg, wo Kunkel in einem wahren Biotop brauner Gesinnungsgemeinschaft zu leben scheint.
P.S.: Um dem üblichen Gegen»argument« vorzubeugen, dass, wer Nazis ausgrenze und bekämpfe, selber nicht besser als die Nazis sei: Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob ich einen Menschen auf Grund seiner politischen Überzeugungen und Handlungsweisen angreife, oder ob ich ihn ohne Ansehen der Person allein wegen seiner Herkunft verurteile und ausgrenze.