Der CDU werden "Hetze" und "Entgleisungen" vorgeworfen
Von Nachrichten-Mitarbeiter Jürgen Padberg
Aachen. Bei ihren Angriffen auf den Doppel-Paß scheint die Aachener CDU ein kapitales Eigentor geschossen zu haben. Nach einem gezielten Foul an einem Mann aus Ruanda steht die partei im Abseits - und bald vielleicht auch vor Gericht.
Die Vorgänge haben dem CDU-Vorsitzenden Daldrup eine Rücktrittsforderung (der Grünen) eingetragen und auch sonst ziemlich verheerende Reaktionen ausgelöst. Von "Entgleisung" und "Hetze" ist unter anderem die Rede.
"Straßenkampf importiert"
In der Februar-Ausgabe seiner Mitgliederzeitschrift "CDU intern" behauptet der Aachenr Kreisverband, der seit 30 Jahren in Aachen lebende Ruander Gaétan Kayitare habe am 13. Januar zusammen mit anderen Demonstranten die CDU-Büros in der Martinstraße und im Rathaus demoliert, sowie Mitarbeiter beschimpft. Es folgt die Forderung: "Wer den Straßenkampf aus Ruanda nach Deutschland importiert, gehört hier nicht hin."
Hintergrund ist eine Mahnwache gegen die CDU-Unterschriftenaktion zur doppelten Staatsbürgerschaft. Im Anschluß an die Demo sollen einge Teilnehmer christdemokratische Türschlösser verklebt und Telefone unbrauchbar gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Rückzieher

Wieder in der Schußlinie: CDU-Chef Ulrich Daldrup.
Eines jedoch scheint festzustehen: "Derzeit ist davon auszugehen, daß Herr Kayitare an den Sachbeschädigungen nicht beteiligt war", sagt Staatsanwalt Lothar Karhausen.
Die CDU ficht das allerdings nicht an. Zwar hat Kreisgeschäftsführer Karl Kinting die Anschuldigungen gegen Kayitare mittlerweile zurückgezogen. Doch durch seine Teilnahme an der Demonstration habe der Ruander "die erhebliche Sachbeschädigung gebilligt". Schließlich habe er mit seinem Protestschild vor der Wand des Karl-Arnold-Hauses gestanden, die kurz zuvor mit Parolen beschmiert worden sei. Kayitare sei für die Konsequenzen verantwortlich.
Seit 1968 in Aachen
Tatsächlich fürchtet Gaétan Kayitare, wie er gestern erklärte, um Leib und Leben. Seine öffentliche Anprangerung in einem CDU-Blatt könnten rechtsextreme Schläger als Aufforderung verstehen, "den Job zu Ende zu machen".
1968 kam Kayitare nach Aachen, studierte Bergbau und arbeitete als technischer Zeichner. Verheiratet ist er mit einer Deutschen. In der Martinsstraße habe er friedlich gegen die CDU-Aktion protestiert. "Die Kampagne der Aachener CDU gegen meine Person zeigt, wie wichtig eine einfache Einbürgerung von Ausländern ist."
Niemand dagegen?
CDU-Vorsitzender Ulrich Daldrup stärkt dem Autor der Kampfschrift den Rücken, will dessen Namen aber nicht nennen. "Der Text hat allen Verantwortlichen und Gremien der CDU vorgelegen", so Daldrup, "niemand hatte etwas dagegen einzuwenden". Karl Kinting wird da schon deutlicher: "Der Text ist ein Gemeinschaftswerk von Herrn Daldrup und mir."
Weder Daldrup noch Kinting wollten sich für falsche Behauptungen entschuldigen. Gaétan Kayitare erwägt deshalb eine Anzeige.
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Aus diesem Bild hatte "CDU intern" den Demonstranten Gaétan Kayitare aus Ruanda (rechts) herausgeschnitten und mit der Unterschrift versehen: "Wir brauchen keinen Bürgerkrieg in Deutschland. Krawallmacher und Chaoten, die unseren Frieden zerstören wollen, sollen in ihre Heimat zurückkehren
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"Keine Gedanken darüber gemacht"
Nachrichten-Fotograf Harald Krömer ist unfreiwillig zum Mitarbeiter von "CDU intern" geworden. Das ohne Genehmigung in dem Mitgliederblatt abgedruckte Bild von Gaétan Kayitare stammt aus den Nachrichten. Es entstand während der Demo vor der CDU-Zentrale.
Die Redaktion der Parteizeitung illustrierte damit ihren auf den Mann aus Ruanda: "Wir brauchen keinen Bürgerkrieg in Deutschland", steht unter dem Porträt Kyitares, der ein CDU-kritisches Plakat hält, "Krawallmacher und Chaoten, die unseren Frieden zerstören wollen, sollen in ihre Heimat zurückkehren." Auf die Beschwerde Krömers erklärte CDU-Chef Daldrup: "Da hätte sorgfältiger gearbeitet werden müssen." Kreisgechäftsführer Kinting hat sich "keine Gedanken darüber gemacht, ob das Foto genehmigt werden muß". Eine Genehmigung hätte er auch kaum erhalten. Krömer: "Mit dieser häßlichen Kampagne der CDU will ich nichts zu tun haben."