Bereits zum dritten Mal seit Juli haben am
21. Oktober Neonazis eine größere Veranstaltung in der
Gaststätte „Gütershop“ durchgeführt. Doch diesmal war das Treffen der Braunen erstmals von größeren Protesten begleitet.
Rund 200 Menschen folgten dem Aufruf eines Bündnisses aus antifaschistischen Gruppen, Gewerkschaften, Parteien und Vertretern der Kirchen unter dem Motto „ Stoppt die Neonazis in Düren – Nazikneipen dichtmachen!“. Die von der Antifa Düren organisierte Demonstration führte vom Bahnhof direkt vor die Kneipe in der Arnoldsweilerstraße.
Die Ratsparteien haben im Vorfeld des Neonazi-Treffens eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel „Düren hat keinen Platz für alte und neue Nazis!“, in der u.a. die Dürener Bevölkerung zu mehr Wachsamkeit gegen neonazistische Aktivitäten aufgefordert wird, verabschiedet. Auch einige Ratsmitglieder von SPD, Grünen und natürlich der Offenen Liste der PDS nahmen an der Demonstration teil. Dominik Clemens (Antifa Düren) kritisierte in einem Redebeitrag, dass die Herausforderung durch den Neonazismus in Düren über lange Jahre ignoriert wurde: „Es wurde verharmlost und verschwiegen, manchmal auch verschämt weggeguckt.“ Detlef Peikert (VVN-BdA) wies darauf hin, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen in den meisten Bereichen von Politik und Wirtschaft in eine Richtung gehe, die mittelbar und unmittelbar die Neonazis und ihr politisches Umfeld stärken. Er forderte Unduldsamkeit gegen Neonazis und ihre Ideologie, Engagement für politische und soziale Rechte und letztlich ein Verbot von NPD und „Kameradschaften“.
Kurz vor dem geplanten Ende der bis dahin völlig friedlichen Zwischenkundgebung ging die Kölner Bereitschaftspolizei rabiat gegen rund 25 Demonstranten vor und drängte diese zum Teil unter Einsatz von Schlägen ab. Den Anlass für dieses Vorgehen hatten die Beamten zuvor selbst geschafften, indem sie provokativ zwei Neonazis durch die Gruppe der Antifaschisten hindurch in die Kneipe führen wollte. Die vor allem jungen Demonstranten, die die Forderung nach Zivilcourage gegen Neonazis ernst nahmen, gaben den Weg nicht frei und skandierten „Nazis raus!“.
In einem Schreiben an Landrat Wolfgang Spelthahn hat Ratsherr Lothar Böling gegen das Vorgehen der Polizei protestiert: “Offensichtlich ging es nur darum, friedlich demonstrierende Antifaschisten zu provozieren bzw. kriminalisieren. Hierdurch wurde der bis dahin eindeutig friedliche Verlauf der Demonstration so gestört, dass im Nachhinein Kundgebung und Demonstration vom Veranstalter abgebrochen wurden.“
Auch die Organisatoren der Demonstration haben eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht.
Nach der künstlichen Eskalation der Demonstration versuchte der Versammlungsleiter, ein Gespräch mit dem Einsatzleiter der Polizei zur Klärung der Situation zu führen. Nachdem dieser auch nach 40 Minuten nicht zur Verfügung stand, erklärte der Versammlungsleiter die Kundgebung vorzeitig für beendet.
Lothar Böling: „Unübersehbar ist, dass Neonazis auch in Düren aktiv sind. Mit Ausdauer und Beharrlichkeit muss nun dieser Entwicklung entgegengetreten werden. Alle demokratischen Kräfte sind in der Pflicht. Die Offene Liste der PDS schlägt ein politisch breites Bündnis gegen Rechts vor.“
Quelle: Links! - Zeitung der Offenen Liste der PDS für den Kreis Düren / Ausgabe 32