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Donnerstag 10. Januar 2002
Professor vor Eisernem Kreuz
Ein interessanter Vortrag unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen - Zivilstreifen der Polizei
Von Nachrichten-Redakteur Heiner Hautermans
Aachen. Es hatte etwas Bizarres: Da hielt ein Geschichtsprofessor einen Vortrag. Nicht in der Uni, sondern im Hause einer als rechtsradikal eingestuften Burschenschaft. Die Zuhörer: überwiegend Antifaschisten. Die Überraschung: Es ging friedlich ab.
Der inzwischen emeritierte Historiker Dr. Klaus Schwabe sollte am Donnerstag Abend ein Referat im Haus der "Brünner Burschenschaft Libertas Brünn zu Aachen" halten, zum Thema: Die USA und das Ende des Kalten Krieges.
Dazu muss man wissen: Libertas Brünn ist eine in Brünn gegründete und heute in Aachen ansässige Studentenverbindung. Sie residiert in einer trutzigen Villa am Muffeter Weg (zwischen Turmstraße und Königshügel) und gilt als Sammelbecken rechtsextremer Studenten und Akademiker im Grenzland.
Die >>Faschschaft Philosophie 7/1, ausgewiesenerweise auf dem anderen politischen Ufer, hatte Wind von der Veranstaltung bekommen und rief zu einem "kritischen Besuch" auf, um den "neonazistischen Burschenschaftern nicht die Meinungsmacht in dieser Diskussion zu überlassen". Man traf sich um 19.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn, im Gebäude an der Kármánstraße.
Prof. Schwabe, der die USA schätzt, rechtsradikaler Neigung aber unverdächtig ist, war in der Zwickmühle: Offen gab er gegenüber den "Nachrichten" zu, dass er über die pflichtschlagende Burschenschaft nicht informiert war: "Ich habe keine Ahnung gehabt, dass das so ein Gedöns ist."
Dennoch wollte der Wissenschaftler nicht auf den Vortrag verzichten: "Ich finde es immer gut, wenn Interesse für Politik da ist und ich belehren kann." Allerdings unter zwei Auflagen: Schwabe informierte die Polizei, die auch postwendend Zivilstreifen entsandte, und stellte die Bedingung, dass die Veranstaltung öffentlich zugänglich sein müsste.
War si dann auch. Beim offiziellen Beginn kurz nach 20 Uhr saßen allerdings nur fün Burschenschaftler als Zuhörer im Veranstaltungsraum im Untergeschoss, plus Presse. Etwa 15 Minuten später kam die Gegenöffentlichkeit, etwa 20 Antifaschisten, von der Fachschaft Philosophie mobilisiert.
Weitgehend ungestört konnte der Historiker seine Thesen vom dramatischen Wandel der Weltpolitik in den Jahren 1989/90 darlegen. Schwabe hielt seinen Vortrag unter einem überdimensionalen Eisernen Kreuz, gesäumt von zwei bundesdeutschen Flaggen. Sein Fazit: Die Voraussetung für die Wende und die unglaubliche Erfolgsstory schafften Gorbarschow und die Ostdeutschen ("Wir sind ein Volk") aber "zur Verwirklichung haben die USA den wichtigsten Beitrag erbracht".
Die anschließende Diskussion war schnell beendet, offenbar bestand kein größerer Gesprächsbedar. Immerhin sind die USA sowohl rechts wie links nicht unbedingt die Lieblingsnation. Friedlich verließen die Antifa das Libertas-Haus, sie hatten "Auswärtsstärke demonstriert".
Prof. Schwabe trank noch ein Bier mit den "Liberten" in der gut ausgestatteten Bar, gesäumt von Karten mit der Aufschrift "Heimat Sudetenland" und Wandsprüchen wie "Harte Zeiten fordern harte Männer" in Tiefparterre. Und alle fühlten sich bestätigt, auch "Libertas Brünn": "Eine uaf ganzer Libie gelungene Veranstaltung" verbreitet die Burschenschaft über das Internet: "Dies bestätigte uch die durchweg positive Resonanz der zahlreich anwesenden Gäste."

Quelle: Aachener Nachrichten

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