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Sonntag 20. August 2006
PE: Antifaschisten warnen Gastwirte vor geplantem neonazistischen „Liederabend“ im Kreis Düren
Nach Recherchen der VVN-BdA plant die neonazistische „Kameradschaft Aachener-Land“ (KAL) in Zusammenarbeit mit der Dürener NPD am 2. September 2006 einen „Liederabend“. Bei diesem Konzert, das derzeit im Internet beworben wirbt, sollen „Liedermacher“ aus Wilhelmshaven und Sachsen auftreten. Angekündigt ist auch ein Auftritt des Sängers der saarländischen Band „Jungsturm“. Diese Band trat in der Vergangenheit auch auf Konzerten des in Deutschland seit September 2000 verbotenen militanten Neonnazi-Netzwerkes >>„Blood & Honour“ auf. Rechtsrock – dazu zählen auch die rechten „Liedermacher“ – transportiert rassistisches und antisemitisches Gedankengut und ist gerade für Jugendliche oftmals die „Einstiegsdroge“ in die Szene.

Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen dem Konzert und einer am gleichen Tag stattfindenden Demonstration in Dortmund. Dort wollen Neonazis den Antikriegstag für ihre Zwecke missbrauchen und „gegen imperialistische Kriegstreiberei und Aggressionskriege“ demonstrieren. Im vergangenen Jahr gab der örtliche Kameradschaftsführer die Losung „Nie wieder Krieg – nach unserem Sieg“ aus. Was damit gemeint ist, kann sich jeder selbst ausmalen. Die lokale Dürener Neonazi-Szene ist eingebunden in überregional und bundesweit agierende Strukturen. Die beiden Dürener KAL-Mitglieder Karsten und Michael Büttgen gehören der „Oidoxie Streetfighting Crew“ an, einer Gruppe, die u.a. für die Absicherung von Konzerten der Dortmunder Neonazi-Band „Oidoxie“ sorgt. Denkbar ist daher eine Arbeitsteilung. Die Szene im Ruhrgebiet organisiert die Demonstration, die Dürener sorgen für die anschließende Party. Es ist also zu befürchten, dass im Anschluss an die Dortmunder Demonstration auch zahlreiche auswärtige Neonazis nach Düren anreisen werden.

Der genaue Veranstaltungsort ist nicht angegeben. Dies ist eine übliche Taktik bei der Durchführung von Rechtsrock-Konzerten. Die Anreise der Besucher wird über Mobiltelefone und Schleusungspunkte koordiniert. Derart sollen polizeiliche Maßnahmen und Proteste gegen Rechtsrock-Konzerte verhindert werden. Üblicherweise werden die Räumlichkeiten für Neonazi-Konzerte unter falschen Angaben angemietet. Zum Beispiel wird behauptet, dass eine private Geburtstagsfeier mit Live-Musik stattfinden soll.

Als Kontaktperson fungiert Ingo Haller aus Inden-Pier, Vorsitzender des NPD Ortsverbandes Düren. Haller war im vergangenen Jahr bei der Landtagswahl und Bundestagswahl Direktkandidat der neonazistischen Partei im Kreis Düren. Das angekündigte Konzert ist ein weiterer Schritt der Bemühungen von neonazistischen „Kameradschaften“ und der NPD, ihre Strukturen im Kreis Düren auszubauen. Erst Ende Juli hat in Düren ein „Sommerfest“ der NPD mit angeblich 130 Besuchern stattgefunden. Uns liegen Informationen über Versuche von Neonazis vor, in Nideggen Fuß zu fassen.

Bislang haben große Teile der Dürener Öffentlichkeit die Aktivitäten von Neonazis ignoriert, verharmlost oder geleugnet. Ein Umdenken ist dringend erforderlich. Wer wegsieht und schweigt, hilft letztlich den Neonazis, die so freie Bahn für ihre Aktivitäten erhalten. Wir erwarten von den demokratischen Kräften im Kreis Düren, dass diese sich öffentlich gegen das geplante Konzert positionieren. Darüber hinaus ist eine langfristig angelegte Strategie gegen Rechts notwendig. Eine mögliche Plattform hierfür könnte ein breiter Zusammenschluss von Initiativen und Parteien aus dem Kreis Düren nach dem Vorbild des „Bündnis gegen Rechts für die Aachener Region“ sein.

Die Gastwirte und Vermieter von Grillplätzen oder anderen Veranstaltungsräumen aus dem Kreis Düren fordern wir auf, ihre Mietverträge für den 2. September zu überprüfen und gegebenenfalls zu kündigen, damit den Neonazis keine Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Düren und >>Antifa Düren

Düren, den 20. August 2006

Quelle: Antifa Düren und VVN-BdA Düren

Vorfälle: 2006
2. September 2006: Region Aachen: KAL und NPD Düren veranstalten Naziliederabend

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