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Dienstag 5. März 2002
Neonazis zieht es zum Tivoli Aachen
5.3.2002, Aachen: Rechtsextreme versuchen, Nachwuchs unter Fans zu werben
Neonazis zieht es zum Tivoli Aachen (an-o/jozi). Heimspiele der Aachener Alemannia ziehen tausende Fans an. Darunter sind einige Gestalten, denen es nicht nur um Fußball geht: Mitglieder der "Kameradschaft Aachener Land". Die Neonazis glauben, den Tivoli als Rekrutierungsfeld für Nachwuchs missbrauchen zu können.
Treffpunkt der Gruppe war lange Zeit der S-Block auf der Gegentribüne. Hier mischte sie sich in der Vergangenheit regelmäßig unter die Fans. Ihr Einfluss auf einen Teil der Hooligan-Szene war und ist bei Heimspielen unüberhörbar. Auch in der laufenden Saison kamen aus dieser Stadion-Ecke immer wieder rassistische und antisemitische Hetzparolen.
Postfach in Alsdorf
Dem Verein ist das Problem bewußt und mehr als peinlich. In den zurückliegenden Jahren wurden von der Alemannia verschiedenfach Stadionverbote ausgesprochen - unter anderem wegen des Absingens rechtsextremer Lieder. Betroffen davon waren auch mehrere Mitglieder der Kameradschaft. So zum Beispiel Marc Königs. Der schwergewichtige Würselener (27), der anders als viele seiner Mitstreiter nicht als Skin auftritt, unterhält für die Neonazis in Alsdorf ein Postfach.
Königs ist ein guter Bekannter von >>Sascha Wagner. Der gebürtige Merksteiner und langjährige Fußball-Hooligan hat es inzwischen zum Landesvorsitzenden der Jungen Nationaldemokraten in Rheinland-Pfalz gebracht. Seit Jahren treibt er sich im Umfeld der Alemannia herum. Die "Liebe" zu dem Verein geht soweit, dass Wagner selbst bei Neonazi-Aufmärschen im schwarz-gelben Trikot erschienen ist.
Neuer Standort im Stadion
Obwohl ebenfalls mit Stadionverbot belegt, taucht Wagner weiter gerne zu den Spielen des Zweitligisten an der Krefelder Straße auf. Fraglich ist, wie weit die Stadionverbote und der zunehmende Druck von gemäßigten Fangruppen die braune Szene beeindruckt haben. Rechtsextreme Flugblätter und Aufkleber sind - anders als noch in den 80er Jahren - nach Auskunft des Alemannia-Fanbeauftragten Robert Jacobs in jüngster Vergangenheit nicht mehr am Tivoli aufgetaucht. Zudem sollen die Neonazis ihren Standort geändert haben. Statt im S-Block suchen sie offenbar jetzt auf dem Aachener Wall ihr Betätigungsfeld - direkt neben dem Gästeblock.

Quelle: Aachener Nachrichten vom 5.3.2002

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