"Die einen stellen die Weichen " Wir stellen die Harten", heißt der Slogan der rechtsextremen Aachener Burschenschaft "
Libertas Brünn". Zumindest hart im Nehmen waren sie dann auch zur Eröffnung der ihnen so verhaßten Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944."
Im Vorfeld beim "Deutschen Burschentag" noch großmäulig angekündigt, an keiner Stadt, wo diese Ausstellung gastiert, dürfe der "nationale Protest" ungehört vorbeiziehen, gab's in
Aachen kräftig was auf die Mützen.
Zunächst kündigten zwei Gastronomen/Hoteliers ihre Verträge mit den Burschenschaften, nachdem sie erfahren hatten, was sich da in ihren Räumlichkeiten abspielen soll. Eine Podiumsdiskussion nämlich mit Generalleutnant a.D. Franz Uhle-Wettler und Bundeswehrhochschulprofessor Franz W. Seidler, seines Zeichens Autor des Buches "Verbrechen an der Wehrmacht", das in unerträglichem Stil die einmaligen Kriegsverbrechen der Deutschen relativieren will.
Die erste Liga des geschichtsrevisionistischen braunen Sumpfs wollte also unter den Fahnen der "Deutschen Burschenschaft " und der offen faschistischen "Burschenschaftlichen Gemeinschaft" in
Aachen ihren Müll verbreiten. Ein Herz für Nazis fanden sie dann schließlich in der Gaststätte "Sandhäuschen" im Stadtteil Laurensberg, wo ihnen Räumlichkeiten für 200 angekündigte VeranstaltungsteilnehmerInnen zur Verfügung gestellt wurden.
Dank eines wohl ungewollten, aber nicht minder nützlichen Hinweises aus Polizeikreisen (habt Dank!) erfuhren auch AntifaschistInnen rechtzeitig von dem neuen Veranstaltungsort. So geschah es - lustig, lustig - daß urplötzlich die eine Hälfte der braunen Gestalten in besagter Gaststätte hockte, die anderen aber nach und nach eintrudelten und davor standen.
Und die einen kamen nicht rein und die anderen nicht raus. Und die Damen und Herren Polizei und Staatsschutz, die das Nazitreffen nur zu gerne durchgeboxt hätten, kriegten gar nichts mehr auf die Reihe. Derart vom Schicksal gehuldigt, konnte mensch sich ungestört dem allseits beliebten "Fang den Hut"-Spielchen widmen. Die Podiumsdiskussion ging also nicht durch, und irgendwann zogen die Burschen mitsamt ihrer alten Damen und Herren sich unter Polizeischutz in ihre Löcher, genaugenommen zur Burschenschaft "Teutonia", zurück. Auch danach sorgten wieder polizeiliche Informationen für Heiterkeit. Hatten diese doch am Salvatorberg ein etwas kaputtes Burschen-Auto aufgetan, wo gar noch der Zündschlüssel steckte, von der Besatzung aber nichts zu sehen war. Nun ja: "wir stellen die Harten"
Daß die Polizei es sich dann nicht nehmen ließ, rund um den Salvatorberg von allen PassantInnen die Personalien festzustellen und willkürlich Platzverweise zu erteilen, sei ihnen in diesem Fall als kleines Erfolgserlebnis gegönnt.
Für den nächsten Tag stand eine Kundgebung der FaschistInnen direkt vorm Alten Kurhaus, dem Veranstaltungsort der "Wehrmachtssausstellung", auf dem Programm. Waren tags zuvor noch 50-60 Burschen auf den Beinen, trauten sich nun gerade mal noch 23 (!!!) von ihnen auf die Straße. Massiv von Polizei, die diesmal gleich mit einigen Hundertschaften vor Ort war, beschützt, postierten sie sich hinter ein unleserliches Transparent und ließen sich ostereiermäßig färben, auspfeifen und machten sich überhaupt geduldig lächerlich. Nach 'ner Stunde war der Spuk dann auch vorbei, und sie zogen sich unter Polizeischutz auf das Haus der "
Libertas Brünn" zurück.
Wir erinnern uns: "Die Einen stellen die Weichen, wir stellen die Harten"...
Bleiben ein paar Fragen. Wie fühlen sich stramme, deutsche Burschen unter rundum-die-Uhr-Polizeischutz? Wie schmeckt deutsches Bier, nachdem reingespuckt wurde? Kann die "
Libertas Brünn" sich beim nächsten "Burschentag" noch blicken lassen? Stehen die Gesichtsnarben jetzt noch immer für Heldentum? Wo ist der Hut? Ist das die Zukunft Deutschlands? Na. Na. Na.
Noch ein paar interessante Details zum Schluß: Auch wenn die Nazis Verstärkung aus Sachsen-Anhalt, dem Saarland und von was-weiß-ich-wo rankarren mußten, so waren auch örtliche Faschisten an deren Treiben beteiligt. Die beiden RWTH-StudentInnenparlaments-Mitglieder Kolja Brucherseifer (
aktiv), stolzer Teutone, und Uli Göbel (AlFa), frischgeschlagener
Liberte, seien hier zuallererst genannt. Deren Burschenschaften "
Libertas Brünn" (Muffeter Weg 15) und "Teutonia" (Salvatorstraße) übernahmen die Organisation der Podiumsdiskussion und des Aufmarsches. An letzterem nahm auch Wolfgang Nahrath aus
Stolberg, "Führer" der mittlerweile verbotenen "Wiking Jugend" teil. Das "Teutonia"-Haus diente als Rückzugsort nach der gescheiterten Podiumsdiskussion und die "[!Burschenschaft Libertas Brünn|Libertas]!]" als Sammelpunkt für den lächerlichen Aufmarsch. Die im Dachverband "Deutsche Burschenschaft" organisierten örtlichen Verbindungen haben damit erneut ihre offen rechtsextremistische Ausrichtung unter Beweis gestellt.
Es muß auch im weiteren darum gehen, deren Treiben im Auge zu behalten und bei Bedarf zu stören (vgl. vorstehenden Artikel zum Rohrmoser/Lübbe-Prozeß)