Am vergangenen Samstag (29. Oktober) hat die „
Kameradschaft Aachener-Land“ offenbar erneut einen Aufmarsch in
Hürtgenwald-Vossenack organisiert. Nach Angaben aus der Neonazi-Szene sollen sich rund 65 Personen zu einem „Heldengedenken“ auf dem Gelände der „Windhund-Division“ versammelt haben. Die Teilnehmer, unter denen auch ein ehemaliger Angehöriger der „Leibstandarte Adolf Hitler“ der Waffen-SS gewesen sein soll, setzen sich demzufolge aus
örtlichen und aus
Aachen,
Mönchengladbach, Krefeld, Neuss, Düsseldorf und Bergheim angereisten Neonazis zusammen.
Ein Ausklang der Veranstaltung soll in „Dürens Kneipe“ stattgefunden haben – dies ist offenbar ein Verweis auf die einschlägig bekannte
Nazi-Gaststätte „Gütershop“ in der Arnoldsweilerstraße.
In den vergangenen Jahren haben regelmäßig rund um den so genannten „Volkstrauertag“ Aktionen von Neonazis in Vossenack stattgefunden. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Verherrlichung von Wehrmacht und Waffen-SS durch „Kameradschaften“ und NPD am „Volkstrauertag“ durch die Antifa Düren erfolgreich verhindert. Seitdem weichen die Neonazis auf andere Termine aus. Antifa-Sprecher Martin Graubenden: „
Dies ist ein Erfolg der antifaschistischen Intervention. Wir haben den Neonazis erfolgreich ihren Termin streitig gemacht und sie so in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt.“
Die Antifa Düren wiederholt ihre Kritik an der in Hürtgenwald betriebenen Geschichtspolitik, an die die neonazistischen Gruppen anknüpfen. Die „Windhund-Division“ verfügt über ein eignes Areal, auf dem sich Wehrmachtsveteranen mit Unterstützung bedeutender Teile der Hürtgenwalder Politik als Opfer inszenieren. Das vom örtlichen Geschichtsverein betriebene Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ verdient den Namen Museum nicht. Das Sammelsurium von Weltkriegsschrott wird nicht einmal geringsten Anforderungen an eine historisch-kritische Dokumentation gerecht. Die meisten „Exponate“ – darunter auch Orden mit Hakenkreuzen – bleiben unkommentiert, eine Einordnung in den Kontext von faschistischer Diktatur, Angriffskrieg und Holocaust findet nicht statt. Auch die Wehrmacht – so das vermittelte Bild der Ausstellung – war vor allem eins, nämlich Opfer. Die Täter – die Verantwortlichen für Krieg, Massenmord und Auschwitz – verschwinden völlig.
Graubenden: „
Von derartiger Geschichtsklitterung ist es nicht mehr weit bis zur Heldenverehrung der Neonazis. Das beschämende ist, das kaum jemand in Hürtgenwald diese Form der Erinnerung öffentlich hinterfragt.“
>>Antifa Düren, 31. Oktober 2006