Vorsichtige Schrittchen: Die CDU tut sich schwer
Den erhofften Schritt tat die CDU gestern abend nicht. Am Tag nach dem skandalösen Vorstoß gegen einen ruandischen Demonstranten geht sie nur bedingt auf Distanz zu dem
Artikel in ihrem Parteiorgan. Es ist enttäuschend, daß einer demokratischen Partei die Größe fehlt, sich für einen groben Fehler - und das ist das Anprangern eines einzelnen Menschen ohne einen handfesten Beleg[*] - zu entschuldigen.
Die Gewalt[**] bei der Demonstration ist zu verurteilen. Daraus aber Tage später den Schluß zu ziehen, einen Menschen zum Sündenbock abzustempeln, ist ein nicht minder schwerer Verstoß gegen Recht und Grundsätze unser freiheitlichen Gesellschaft.
Es ist auf der anderen seite nur beruhigend zu sehen, wie schnell in dieser Stadt Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und viele Bürger auf die Barrikaden gehen, wenn die Grundordnung in Gefahr gerät. Daß Entgleisungen, wie sie der Artikel im CDU-Blatt enthält, auch gleich die Ewiggestrigen auf den Plan rufen, mußten wir gestern selbst in einigen, gottseidank wenigen Fällen, sprich Anrufen erfahren. Beweis und Warnung genug, daß der Schoß nach wie vor noch fruchtbar ist.
Die CDU ist nun gefordert, den von vielen gelobten Weg zurück zu einer sachlichen Auseinandersetzung über die doppelte Staatsbürgerschaft zu finden. Man wird sie mit Argusaugen beobachten. Sie wird über diese halbherzige XXXErklärung hinaus Zeichen setzen müssen.
[*] vergessen wird hier, dass dies aus rassistischen Motiven ein Farbiger war
[**] verkleben von Schlössern und einer Telefonanlage