Die Chronologie der Nazi-Demo in Kerkrade
Herzogenrath/Kerkrade (an-o/sim). In letzter Minute doch noch genehmigt: Die grenzüberschreitende Neonazi-Demo hielt am Morgen und am frühen Nachmittag die Region in Atem. Lesen Sie hier den Gang der Ereignisse.
- 12:35 Uhr: Nicht von Deutschland in die Niederlande, sondern von Kerkrade nach Herzogenrath wollen offenbar die nach Angaben des niederländischen Fernsehenes rund 250 Neonazis ziehen, die sich derzeit noch zu einer Kundgebung am Kerkrader Bahnhof aufhalten. Unterdessen sind linke Gegendemonstranten auf dem Weg von Herzogenrath nach Kerkrade.
- 12:50 Uhr: Die Kundgebung in Kerkrade soll noch etwa 30 bis 45 Minuten dauern. Ob die Nazis sich dann zum Marsch nach Herzogenrath aufmachen, weiß noch niemand. Gespräche über den weiteren Verlauf des Nachmittages seien im Gange, meldet die Aachener Polizei.
- 13:00 Uhr: Die niederländische Polizei hat die Lage nach eigenen Angaben "voll im Griff". Bisher ist es ihr gelungen, die beiden feindlichen Lager auf Distanz zu halten. Zu Konfrontationen sei es bisher nicht gekommen. Über dem Geschehen kreist ein Hubschrauber.
- 13:15 Uhr: Auf der zentralen Kundgebung eines breiten Bündnisses gegen Rechts auf dem Herzogenrather Parkplatz Bergerstraße bezeichnet der Würselener Europaabgeordnete Martin Schulz (SPD) vor rund 2500 Zuhörerinnen und Zuhöreren die Karlsruher Entscheidung vom Morgen als "merkwürdig". Der Aachener SPD-Vorsitzende Karl Schulteis fordert die Bürgerinnen und Bürger auf "gegen den braunen Terror zu stehen". Faschistisches Gedankengut dürfe nicht in die eigenen Parteien einfließen.
- 13:30 Uhr: Gesichert von mehreren Hundert niederländischen Polizeibeamten hat sich der braune Mob vom Kerkrader Bahnhof aus auf den Weg nach Herzogenrath gemacht. Die Polizei ist unterdessen bemüht, Linke und Rechte auseinander zu halten.
- 13:45 Uhr: Die deutsche Polizei sucht fieberhaft nach einer Möglichkeit, den Marsch der Braunen auf Herzogenrath zu stoppen und ein Zusammentreffen der Nazis mit den zahlenmäßig rund zehnmal stärkeren Gegendemonstranten zu verhindern. Ziel sei ein möglichst störungsfreier Ablauf aller Veranstaltungen. Polizei-Pressesprecher Jürgen Robens: "Wir wollen nicht in die Verlegenheit kommen, die Rechten vor den Linken beschützen zu müssen."
- 14:10 Uhr: Der braune Spuk geht an Herzogenrath vorbei. Der Polizei ist es gelungen, die Konfrontation zwischen Linken und Rechten zunächst abzuwenden. Die Nazis treffen sich jetzt an einem noch geheim gehaltenen anderen Ort in der Region.
- 14:45 Uhr: Die Polizei korrigiert die Teilnehmerzahl nach unten: Nur rund 80 bis 100 Nazis versammeln sich am alten Rathaus in Broichweiden, wohin die Polizei den braunen Mob dirigiert hat. Dort skandieren sie lautstark ihren Stolz, "Angehörige der germanischen Rasse" zu sein und kündigen weitere Treffen in der Region an.
- 15:00 Uhr: Die Polizei verkündet offiziell das Ende der Veranstaltung und begleitet die Nazis im Konvoi bis zur Autobahn. Drei Festnahmen gibt es zu verzeichnen. Eine datiert vom Vormittag, als ein linker Gegendemonstrant zur Erstürmung des Herzogenrather Bahnhofs aufrief. Zwei Nazis wanderten ins Polizeigewahrsam, nachdem Polizeikontrollen vor Veranstaltungsbeginn in Broichweiden bei ihnen ein Butterfly-Messer und einen Schlagring zutage gebracht hatten. Ansonsten verlief die Veranstaltung störungsfrei. Die Region atmet auf.