offenes antifa@rchiv - Region Aachen

Stichwörter - Vorfälle - Bilder - Links - [Texte] - Zitate - Suche - Impressum
Dezember 2002
„Volkstrauertag“ in Vossenack: Neonazis und Waffen-SS marschierten auf
Landrat, Polizei und Staatsschutz schauten weg
Nazis beim „Volkstrauertag“ in Vossenack
<BR>17. November 2002
Nazis beim „Volkstrauertag“ in Vossenack
17. November 2002
Am diesjährigen „Volkstrauertag“ marschierten erneut Neonazis auf dem Soldatenfriedhof in Hürtgenwald-Vossenack auf, unter den Augen von Polizei und Staatsschutz. Zu den 40 Teilnehmern zählten Mitglieder und Anhänger der „Kameradschaft Aachener Land“, der NPD sowie ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die ungehindert eine nicht angemeldete Kundgebung abhalten konnten.
René Laube, Anführer der KAL, war auch dabei
René Laube, Anführer der KAL, war auch dabei
Antifaschisten hingegen, die ihren Protest gegen diese Zusammenrottung äußern wollten, wurden von der Polizei bei der Anreise gestoppt und festgehalten. „Wir gedenken unseren gefallenen Helden“ – mit dieser Inschrift auf dem Kranz der Neonazis werden die Verbrechen der Wehrmacht, die in einer Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung akribisch dokumentiert sind, geleugnet. Auch die Tatsache, dass eine Reichskriegsflagge gezeigt wurde und positiv auf die verbotene „Blood & Honour“ – Organisation Bezug genommen wurde, bewegte die sich vor Ort befindlichen Polizeikräfte und Staatsschützer nicht zum Eingreifen. Ein für den 17. 11. 2002 angemeldeter Naziaufmarsch im brandenburgischen Halbe war hingegen gerichtlich verboten worden. Begründet wurde das Verbot mit dem Schutz des Volkstrauertags.
In Düren fehlt offenbar der politische Wille, in solcher Weise gegen Rechts vorzugehen. Denn schon seit Jahren können sich die Neonazis weitgehend ungehindert in Vossenack treffen. Die Teilnehmer der „offiziellen“ Gedenkveranstaltung scheint das wenig zu stören – bis heute hat sich niemand öffentlich von den Neofaschisten distanziert. Neben der lokalen CDUProminenz (Wolfgang Spelthahn, Thomas Rachel, Axel Buch) versammelten sich ehemalige Mitglieder der 116. Panzerdivision der Wehrmacht („Windhunde-Division“), die im „Familienverband ehemaliger Angehöriger der Windhund-Division“ zusammengeschlossen sind. In unmittelbarer Nähe zum Friedhof unterhalten sie ein eigenes Areal, auf dem sie alljährlich eine eigene Veranstaltung durchführen. Zweck des Vereins ist laut Satzung die „Pflege der Kameradschaft und der Tradition“. Was sie unter dieser Tradition verstehen, ist in der Ausstellung (die irreführend „Windhunde mahnen zum Frieden“ genannt wurde) deutlich zu erkennen. Der braune Traditionsverein Ewiggestriger verfolgt mit dieser Ausstellung das Ziel, den Mythos von der „sauberen Wehrmacht“ aufzubauen.
Tatkräftig unterstützt werden sie dabei vom Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, Axel Buch (CDU). Vor diesem Hintergrund ist es ist kaum verwunderlich, dass während der „offiziellen“ Veranstaltung in Vossenack das Lied „Ich hatte einen Kameraden“ instrumental intoniert wurde. Wenig später sangen dann die Neonazis selbiges voller Inbrunst.
Gegen individuelle Trauer ist nichts einzuwenden. Doch was jedes Jahr im Rahmen des Volkstrauertages in Vossennack stattfindet, ist Verharmlosung der Verbrechen der faschistischen Wehrmacht, ohne die Auschwitz und viele weitere Verbrechen nicht möglich gewesen wären. Die deutsche Geschichte soll rein gewaschen werden, um den Weg zu neuen Kriegen vorzubereiten. Wir erinnern daran, dass sich die Bundeswehr verfassungswidrig an zwei Kriegen beteiligt hat (Jugoslawien 1999 und Afghanistan 2001). Die Früchte der Pflege des braunen Gedankenguts in der Gemeinde Hürtgenwald und der Untätigkeit von Landrat und Kreispolizeibehörde sind deutlich spürbar: von Jahr zu Jahr kommen mehr Neonazis nach Vossenack. Diesmal waren es fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Quelle: >>Links - Zeitung der PDS/Offene Liste für Düren und Umgebung #20 S.4

Vorfälle: 2002
17. November 2002: Vossenack: Kameradschaft Aachener Land marschiert zum Volkstrauertag auf

Verwandte Kategorien: K
Kameradschaft Aachener Land
R
René Laube
V
Volkstrauertag in Hürtgenwald-Vossenack

Zur Übersicht: